Auch Nichtstun kann bei der Arbeit helfen - Warum Pausen dein Training besser machen

 

 

Hast Du auch schon mal nach einer Trainingseinheit auf dem Pferd das traurige Gefühl gehabt, dass das Training weder fürs Pferd besonders schön war, noch einen roten Faden hatte?
Mit dieser einfachen Maßnahme kannst Du dein Training positiver und strukturierter gestalten und erhöhst die Motivation deines Pferdes deutlich.

Mach das Beste aus deiner Verantwortung für eure gemeinsame Trainingszeit

Wenn wir reiten, gestalten wir sowohl die Lern- als auch die Trainingssituation, in der das Pferd sich befindet.
Wir müssen uns also sowohl überlegen, wie das Pferd am besten lernt und was es braucht, um körperlich seine beste Leistung bringen zu können.

Pferde (und Menschen) brauchen Pausen. Nicht nur als ‚freie Tage‘, sondern gezielt und häufig währendeiner Trainingseinheit.
Doch was ist für das Pferd überhaupt eine Pause? 
Das Pferd hat eine Pause, wenn Du es anhältst und ihm den Zügel auf den Hals legst. Streichle ihm ein wenig den Hals und lobe es. Die Dauer der Pause kann variieren. Dein Pferd sollte auf jeden Fall einmal zur Ruhe kommen (Durchatmen, Hals fallen lassen). Kürzer als 20 Sekunden sollte sie nicht sein. Länger nach Bedarf natürlich schon.

Reiten wir Schritt am hingegebenen Zügel, horcht das Pferd immer noch ein wenig nach unseren Hilfen. Und auch wir müssen immer noch ein wenig dirigieren. Richtig Pause machen wir dann beide nicht. Deswegen bevorzuge ich die Pause im Stand.

 

Im Stand kommen Pferd und Mensch wirklich zur Ruhe. Du etablierst ein klares ‚Pausenritual‘, das dein Pferd sehr schnell mit  Anerkennung, Belohnung und Erholung verbinden wird. 
 
Die Pause im Stand ist sehr hilfreich für leicht erregbare Pferde: Kennen sie die Pause, kommen sie nach aufregenden Übungssequenzen, z.B. im Galopp, schnell wieder zur Ruhe.
Weniger lauffreudige Pferde sind nach der Pause bewegungsmotivierter, weil sie sich einen Moment so richtig ausruhen konnten. 
Für dein Pferd schwierige Aufgaben erfordern besonders anfangs viel Muskelkraft. In der Pause werden erschöpfte Muskeln gut durchblutet und bekommen neue Kraft. 

Du hast in der Pause die Möglichkeit, zu überdenken, was du gerade geritten bist und dich innerlich für die kommende Reprise auszurichten. Auf diese Weise verbessern sich Aufbau und Struktur eurer Einheit. Auch körperlich stellt die Pause für dich eine Möglichkeit dar, dich bewusst zu entspannen, und eventuell angestrengte Muskelgruppen zu lockern.

Wenn Du das Pferd mit einer Pause dafür belohnst, dass es besonders gut versucht hat, eine Aufgabe zu erfüllen, achtest Du mehr auf diese Situationen. Dies verstärkt die Leistungsbereitschaft und Arbeitsfreude deines Pferdes. 
Du wirst erleben, wie positiv sich die Pause auf euer Training auswirkt!

 

"Die Stille zwischen den Noten macht die Musik."    (Alfonso Aguilar)

 

So setzt Du Pausen gezielt ein

 Mach eine Pause wenn:

  • Dein Pferd sich bemüht hat, eine gute Lösung für eine Aufgabe zu finden. (Das ist wichtig. Wir müssen die Bereitschaft des Pferdes, nach einer Lösung zu suchen und etwas zu probieren, mindestens genauso wertschätzen wie das Ergebnis.)
  • Es etwas für seine Verhältnisse besonders schön hinbekommen hat. 
  • Du dein Training in unterschiedliche Abschnitte unterteilen willst, z.B. deine Schritt/Trab-Übergänge beendet hast und mit der Galopparbeit beginnen willst, machst Du zwischen diesen beiden Reprisen eine Pause.
  • Du merkst, dass die Konzentration deines Pferdes nachlässt.


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Wie haben Pausen dein Training verändert? Ich freue mich über Kommentare auf meiner Facebook-Seite und bei Instagram unter @kristinamariajanssen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Andrea (Donnerstag, 14 Juni 2018 21:00)

    Liebe Kristina, du hast ja sooo recht! Mir gefällt die Idee des Stehenbleibens / Innehaltens sehr gut. Habe ich doch für mich selbst endlich gelernt, wie wichtig es ist, sich eine Auszeit zu nehmen, um stark, motiviert, aufmerksam, gut gelaunt und neugierig zu bleiben für alles, was da noch so auf mich zukommt. Und mir gefällt auch, dass diese Pause „echt“ ist. Nicht weiter laufen müssen, irgendwie. Halb aufmerksam. Halb motiviert. Und auf Dauer irgendwie „ausgelutscht“. Weil man immer weitereiert, ohne sich dieses Innehalten zu gönnen. Und schleichend (im wahrsten Sinne des Wortes!) hat man plötzlich auf nichts mehr Lust, kann sich zu nichts aufraffen, ist ohne Energie. Pferde sind keine Menschen, klar. Aber sooo verschieden ticken wir innen drin wohl nicht...
    Wie war noch die Geschichte des Indianers, der nach einem harten, langen Ritt drei Tage am Brunnen ruht, um seiner Seele Zeit zum Nachkommen zu geben?! Hat was davon, oder? Ich mag Pausen... GLG!

  • #2

    Ronja (Freitag, 15 Juni 2018 02:00)

    Liebe Kristina, Du hast mich erst auf die Idee gebracht, die Pausen im Stand zu nutzen. Früher bin ich dafür am hingegebenen Zügel weiter geritten, aber im Stand ist es tatsächlich viel effektiver, wie ich durch Dich erfahren konnte.
    Ich hatte dafür heute gerade ein beispielhaftes Erlebnis: Dáriusz hat sich bei unseren kurzen Galopp-Versuchen sehr viel Mühe gegeben und darüber habe ich mich total gefreut. Ich bin dann angehalten und habe ihm meine Freude darüber gezeigt, ihn ausgiebig gekrault und mit Stimme gelobt. Man merkte sofort, wie die positive Energie bei ihm ankam, er sich selbst mitgefreut hat und danach noch motivierter weiter gemacht hat. Das war eine so unmittelbare positive Erfahrung für uns beide, die wir anders sicher nicht so stark gehabt hätten :)